Wirtschaftsstandort Böblingen 2026: Mehr als nur Automotive

15. Oktober 2026
· 7 Min.

Wirtschaftsstandort Böblingen: Für viele klingt das nach Automobilindustrie. Doch wer nur auf Zulieferer und Werke schaut, übersieht die zweite, längst tragfähige Säule der Stadt: eine der dichtesten IT- und Software-Landschaften Baden-Württembergs. Der Abschlussbericht „Entwicklung von Zukunftsperspektiven für den Wirtschaftsstandort Böblingen“ (ExperConsult im Auftrag der Stadt Böblingen, 20. Oktober 2025) liefert dafür harte Zahlen – und zeigt, warum Böblingen für Unternehmen weit über Automotive hinaus attraktiv ist.

Wirtschaftsstandort Böblingen: längst IT-Standort, nicht nur Autostadt

Die Analyse der Wirtschaftsstruktur zeigt: Böblingen verfügt bereits heute über eine außergewöhnlich hohe Konzentration an wissensintensiven Dienstleistungen. Besonders die Branche Information und Kommunikation hebt sich in der Beschäftigungskonzentration von den Vergleichsstädten Rastatt, Leonberg und Bietigheim-Bissingen deutlich ab. Die Zahl der Beschäftigten im tertiären Sektor (Dienstleistungen) ist in Böblingen zwischen 2012 und 2022 um 40 Prozent gewachsen – der stärkste Wert im Städtevergleich, deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 22 Prozent.

Diese Entwicklung hat historische Wurzeln: Böblingens wirtschaftlicher Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde maßgeblich durch die Ansiedlung von IBM (1949) und Hewlett-Packard (1959) geprägt. Beide Technologiekonzerne sind bis heute in der Region präsent – IBM im benachbarten Ehningen, HP mit deutschem Hauptsitz in Böblingen selbst. Auf dieser Basis ist eine der größten branchenspezifischen Technologiedichten Europas entstanden.

Softwarezentrum und „Silicon Älley BW“: das Rückgrat der IT-Wirtschaft

Kernstück der Böblinger IT-Szene ist das Softwarezentrum Böblingen/Sindelfingen: über 12.000 Quadratmeter Bürofläche, rund 1.000 Beschäftigte, 110 IT-Unternehmen unter einem Dach. Damit zählt es zu den größten branchenspezifischen Technologiezentren Europas. Eingebettet ist es in ein Netzwerk aus Forschungseinrichtungen und Technologieunternehmen entlang der Achse Ehningen–Böblingen–Sindelfingen–Stuttgart, mit Akteuren wie Fraunhofer IAO, Fraunhofer IPA, dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, IBM Q System One (Europas schnellstem Quantencomputer), GFT als Baden-Württembergs am schnellsten wachsendem IT-Unternehmen, dem CODE_n-Hub für digitale Pioniere und rund 200 IT- und Engineering-Unternehmen allein in der Stadt Böblingen.

Die deutschlandweite IKT-Branche zählte 2021 knapp 1,4 Millionen Erwerbstätige und gilt – gemessen an der Innovationsfähigkeit – als innovativste Branche des Landes, noch vor Elektrotechnik/Maschinenbau und Fahrzeugbau. Böblingen positioniert sich mit seiner Spezialisierung in IT-Dienstleistungen deutlich stärker als vergleichbare Städte in der Region.

Zukunftsbranchen: KI, Cybersecurity, Medizintechnik und Circular Economy

Daraus kristallisieren sich klare Fokusbranchen für die künftige Ansiedlungspolitik der Stadt heraus, die bewusst über die klassische Automobilzulieferindustrie hinausgehen:

  • Künstliche Intelligenz: Anwendungsfelder von Gesundheitswesen über Verkehr bis Cybersicherheit – mit dem Startup-Netzwerk AI Xpress, das bereits 45 Startups in Böblingen angesiedelt hat.
  • Cybersecurity: Mit zunehmender Digitalisierung ein strategischer Wachstumsmarkt, von Bedrohungsanalyse bis Penetrationstests.
  • Hochautomatisierte und digitale Produktionsindustrie: Vernetzung von Maschinen und Abläufen über Industrie-4.0-Technologien.
  • Medizintechnik und Pharma: Deutschlandweit über 250.000 Beschäftigte in der Medizintechnik, angetrieben durch demografischen Wandel und KI-Integration.
  • Circular Economy: Kreislaufwirtschaft als Antwort auf Ressourcenknappheit – von Wiederverwendung bis Ressourceneffizienz.

Auch die Automobilindustrie selbst profitiert von dieser Entwicklung: Zwischen der starken Fahrzeugbranche vor Ort und angesiedelten Softwareunternehmen mit Automotive-Spezialisierung entstehen Wechselwirkungen – etwa im Bereich softwaregestützter E-Mobilität.

Neue InnovationsQuartiere: Wo in Böblingen künftig investiert wird

Weil die bestehenden Gewerbegebiete nahezu vollständig belegt sind, treibt die Stadt die Entwicklung neuer InnovationsQuartiere voran – zentraler Baustein der strategischen Zukunftsperspektive „Wissen schafft Wirtschaft“, die der Gemeinderat am 26. November 2025 beschlossen hat:

  • Technologie- und InnovationsCampus (Krankenhausareal): Rund 110.000 Quadratmeter Potenzialfläche, vorgesehen für Software- und IKT-Branche, KI-Unternehmen, Cybersecurity und Circular Economy – das führende Entwicklungsprojekt für die nahe Zukunft.
  • Industrial InnovationArea Hulb: Städtebauliche Aufwertung mit Fokus auf Software, Automobilzulieferindustrie und High-Tech-Light-Industrie.
  • Tech & Craft Campus (Eisenmanngelände): Kleinteiliges Gewerbe, Handwerk, Kreativwirtschaft sowie Gründungen und Startups mit Schwerpunkt AI Xpress.
  • Zukunftsquartier Flugfeld: Bereits heute gewerblicher Innovationshotspot mit Ansiedlung von Unternehmen aus Medizin, Automotive, Software und Luft- & Raumfahrt.

Harte Standortfaktoren: Verkehr, Wirtschaftskraft, Kaufkraft

Böblingen liegt direkt am Kreuz der Autobahnen A8 und A81, ist über die S-Bahn-Linie S1 in rund 25 Minuten mit dem Stuttgarter Hauptbahnhof verbunden und erreicht den Flughafen Stuttgart mit dem Auto in 15 bis 20 Minuten. Der Landkreis Böblingen erwirtschaftete 2022 ein Bruttoinlandsprodukt von rund 29,6 Milliarden Euro – ein Plus von 11,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und erzielt mit rund 116.000 Euro BIP pro Erwerbstätigem einen der höchsten Werte landesweit. Die Arbeitslosenquote lag im Mai 2020 bei 3,8 Prozent, der Kaufkraftindex laut Bericht bei 111,7 (11,7 Prozent über Bundesdurchschnitt).

Weiche Standortfaktoren: Lebensqualität als Wettbewerbsvorteil

Zwischen Unterem und Oberem See, dem angrenzenden Naturpark Schönbuch, der Mineraltherme Böblingen und einem breiten Bildungsangebot mit vier allgemeinbildenden Gymnasien und dichtem Kita-Netz punktet die Stadt auch bei den weichen Faktoren, die für die Gewinnung von Fachkräften zunehmend entscheidend sind. Der überdurchschnittlich hohe Anteil an Experten und Spezialisten in der heimischen Wirtschaft sowie die Nähe zu Hochschulen in Stuttgart, Tübingen und Hohenheim runden das Bild ab.

Fazit: Böblingen denkt über Automotive hinaus

Somit wird deutlich: Böblingen ist kein reiner Automobilstandort mehr, sondern ein Technologiestandort mit einer der stärksten IT-Dichten in der Region Stuttgart – ergänzt durch klare Zukunftsfelder wie KI, Cybersecurity, Medizintechnik und Kreislaufwirtschaft. Für Unternehmen, die von dieser Entwicklung profitieren wollen, entstehen mit dem Technologie- und InnovationsCampus, der Hulb, dem Eisenmanngelände und dem Flugfeld mehrere neue Gewerbeflächen mit klarem Branchenprofil.

Als Immobilienmakler für Investment, Bürovermietung sowie Industrie & Logistik begleiten wir bei der Brokerei Unternehmen, die sich am Wirtschaftsstandort Böblingen und in der Wirtschaftsregion Stuttgart ansiedeln, erweitern oder passende Gewerbe- und Büroflächen suchen – etwa im Flugfeld Office an der Konrad-Zuse-Straße 5.

Autor: Aljoscha Nikoloff, Die Brokerei Immobilien GmbH

Quellen: ExperConsult, Abschlussbericht „Entwicklung von Zukunftsperspektiven für den Wirtschaftsstandort Böblingen“ (20.10.2025, Anlage 1 zu Drucksache 25/073); Stadt Böblingen – Perspektiven für den Wirtschaftsstandort Böblingen (PDF, Gemeinderatsbeschluss 26.11.2025).
Bildnachweis: Fotos Die Brokerei (Flugfeld Office, Airfield Office, Cubus BB, Lift Off).

Häufige Fragen

Nein. Böblingen ist seit der Ansiedlung von IBM (1949) und Hewlett-Packard (1959) auch ein bedeutender IT-Standort. Die Zahl der Beschäftigten im tertiären Sektor wuchs zwischen 2012 und 2022 um 40 Prozent – der stärkste Wert im Vergleich mit Rastatt, Leonberg und Bietigheim-Bissingen, Bundesdurchschnitt 22 Prozent.

Zentrale Fokusbranchen sind Künstliche Intelligenz, Cybersecurity, hochautomatisierte Produktion, Medizintechnik und Circular Economy.

Mit dem Technologie- und InnovationsCampus auf dem Krankenhausareal (rund 110.000 Quadratmeter Potenzialfläche), der Industrial InnovationArea Hulb, dem Tech & Craft Campus Eisenmanngelände und dem Flugfeld entstehen mehrere neue InnovationsQuartiere.

Böblingen liegt am Kreuz der A8 und A81, ist über die S-Bahn-Linie S1 in rund 25 Minuten mit dem Stuttgarter Hauptbahnhof verbunden und erreicht den Flughafen Stuttgart mit dem Auto in 15 bis 20 Minuten.

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